03 | Straflager

Wenn innerhalb der Scientology-Organisation beschlossen wird, daß eines der Mitglieder Bestrafung verdient oder sich rehabilitieren muß, wird die betreffende Person zur Rehabilitation Project Force, kurz RPF, geschickt. Die beste Beschreibung der RPF kommt von Hana Eltringham, die von Anfang an dabei war:
Ich war vollkommen entsetzt, als ich davon erfuhr. Sie sprachen im Prinzip von einem Sklaven-Arbeitslager. Das waren zwar nicht ihre Worte, aber dieser Eindruck entstand dabei. All die Unerwünschten wurden dorthin geschickt und dort festgehalten, ohne Rechte oder Freiheiten und mit keinerlei Privilegien. So ziemlich die einzigen Rechte, die ihnen zugestanden wurden, waren ein bißchen Schlaf und Essensreste. Das Schlimmste – sie durften noch nicht einmal mit dem Personal sprechen. Es war sehr, sehr, sehr schlimm, daß das da so zuging.
-Hana Eltringham

Die vollständige Geschichte kann man am besten hier lesen, bzw. bei Ingo Heinemann.

Die Regeln der RPF

  1. Gehen verboten. Man mußte die ganze Zeit rennen.
  2. Außerhalb der RPF war es uns nicht erlaubt, mit jemandem zu sprechen.
  3. Es war uns nicht erlaubt, eine schriftliche oder anderweitige Mitteilung an irgend jemanden außerhalb der RPF zu machen, außer es lag eine Notsituation vor bzw., wenn dies vorab mit dem RPF-Vorgesetzten abgeklärt wurde.
  4. Es war uns nicht erlaubt, alleine irgendwo hinzugehen, außer wenn die entsprechende Erlaubnis gegeben wurde. Selbst wenn man zur Toilette ging, mußte jemand mitgehen. Man kam auch in Schwierigkeiten, wenn man sah, wie ein anderer oder eine andere allein weggehen wollte, nicht mitging, und es anschließend gemeldet wurde.
  5. Wir mußten alle RPF-Vorgesetzten mit “Sir” ansprechen. Wenn man aus irgend einem Grund außerhalb des RPF jemanden ansprechen mußte (und die Erlaubnis dazu erhalten hatte), dann mußte man die Betreffenden im Gespräch “Sir” nennen.
  6. Sämtliche Briefe, die wir schrieben, mußten in einen frankierten, unverschlossenen Umschlag gesteckt werden, der dann im RPF-Raum in einen Kasten eingeworfen wurde. Die gesamte ausgehende Post, wurde dann vom “RPF MAA” gelesen. Es-war uns nicht erlaubt, etwas direkt aus der RPF wegzuschicken, einschließlich und insbesondere Privatbriefe.
  7. Es war uns nur erlaubt, “RPF designated areas” (“genau bezeichnete RPF-Bereiche”) zu betreten, und für mich war dies das Parkhaus von Fort Harrison (es ist ein 4-stöckiges Wendelparkhaus) und der RPF-Unterrichtsraum, gleich anschliessend an den zweiten Stock des Parkhauses. Es war uns nicht gestattet, irgendwo anders hinzugehen, wobei die einzige Ausnahme während den Reinigungsarbeiten am Morgen erfolgte, wenn überall sonst in Fort Harrison saubergemacht wurde.
  8. Wir mußten dunkelblaue Overalls oder dunkelblaue Hemden und Hosen tragen.
  9. Es waren uns keine “Luxusgegenstände bzw. -dinge” (“luxuries”) erlaubt – (deren Ausdruck) für Dinge wie Musik, Fernsehen (einmal wurden 6 Leute zur RPF geschickt, weil sie eine Weile vor dem Fernseher gesessen hatten, in einem Raum, in dem sie sich deshalb aufgehalten hatten, weil sie krank waren), Kartenspielen, Parfüm usw. – all diese Dinge.
  10. Es gibt einen Flag-Befehl der Serie 3434, der als “Rocks and Shoals” (“Felsen und Klippen”) bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um Strafen, die man erhält für alles was man falsch macht, wie z.B. die Nichterfüllung eines Befehls, das Unterlassen, einen Vorgesetzten mit “Sir” anzusprechen, gehen anstatt zu rennen, eine Stelle beim Saubermachen eines Spiegels auslassen usw. Die Strafen bestehen darin, daß so und so viele Runden gedreht oder so und so viel Mal hinsetzen, aufstehen. Das Rundendrehen besteht aus dem Hinauf- und Hinunterrennen auf der Parkhausauffahrt.

- aus der eidesstattlichen Versicherung einer Ehemaligen RPF-Insassin

Aus einer Beschwerde, 2004 von Gerry Armstrong beim US-Justizministerium eingereicht

Die RPF operiert als Zwangsarbeits- und Reindoktrinationslager sowie als System und Prozedur, um den Willen eines Jeden zu brechen, der als “out ethics” oder “counter intention” zu Hubbard angesehen wird, also im Verdacht steht, mit den Aktivitäten der Scientology-Organisation nicht einverstanden zu sein.
Es war eine schockierende und erniedrigende Erfahrung, zur RPF geschickt zu werden und die Androhung einer Einweisung zur RPF wurde stets benutzt, um Mitarbeiter der Organisation bei der Stange zu halte. Mir wurde während meiner Jahre in der Scientology-Organisation mehrmals eine RPF-Einweisung angedroht und zweimal wurde ich tatsächlich dorthingeschickt, für insgesamt 25 Monate.

Die Stars wissen von der RPF, wollen sich damit aber nicht befassen

Die RPFer sollten Travolta persönlich treffen. Er kam zu uns, ganz der großartige Star… Ich werde niemals seinen Gesichtsausdruck vergessen, als er uns sah. Wir müssen ausgesehen haben, wie Opfer aus einem Gefangenenlager, aus einem deutschen Konzentrationslager, denn er starrte uns nur an… er war vollkommen unfähig, zu sprechen. Er stand einfach nur da. Er sollte eigentlich zu uns sprechen, uns all diese Scheiße erzählen und er stand einfach nur entsetzt da.

Viele weitere Geschichten über die RPF finden Sie auf Xenu-directory.net und auf den Seiten von Ingo Heinemann.

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